
Die Feststellung der Verantwortung bei einem seitlichen Zusammenstoß beruht auf einem rechtlichen Mechanismus, der sich von dem des Auffahrunfalls unterscheidet. Das Fehlen einer automatischen Schuldvermutung erschwert die Analyse, und das Aufkommen von ADAS-Systemen im französischen Fahrzeugbestand verändert die Karten der Verantwortungsverteilung zwischen Fahrern.
ADAS und seitliche Notbremsung: Auf dem Weg zu einer Infragestellung der IRSA-Tabelle
Die IRSA-Tabelle (Direkte Entschädigung des Versicherten und Rückgriff zwischen Versicherungsgesellschaften) basiert auf kodifizierten Musterfällen zwischen Versicherern. Diese Musterfälle wurden für Fahrzeuge ohne elektronische Assistenz entwickelt. Ein Fahrzeug, das mit einer seitlichen Notbremsung oder einem toten Winkel-Erkennungssystem ausgestattet ist, verändert die Dynamik des Unfalls: Die Reaktionszeit ist nicht mehr nur die des Fahrers, sondern die des Fahrer-Maschine-Paares.
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Wir beobachten, dass die von den Versicherern beauftragten Experten beginnen, die Daten von EDR-Geräten (Event Data Recorder) in ihre Berichte zu integrieren. Diese eingebauten Recorder speichern die Fahrzeugparameter in den Sekunden vor dem Aufprall: Geschwindigkeit, Beschleunigung, Aktivierung der Assistenzsysteme. Wenn das ADAS hätte eingreifen sollen, dies aber nicht getan hat, stellt sich die Frage nach der Verantwortung des Herstellers parallel zur des Fahrers.
Um die Frage von wer für einen seitlichen Zusammenstoß verantwortlich ist auf Déclic Auto zu vertiefen, muss man verstehen, dass die IRSA-Tabelle keine rechtlich bindende Wirkung hat. Ein Versicherter kann sie vor Gericht anfechten, was eine Lücke für Streitigkeiten über ADAS-Fehler öffnet.
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Seitlicher Zusammenstoß und Badinter-Gesetz: Das anwendbare Haftungsregime
Das Gesetz vom 5. Juli 1985 (Badinter-Gesetz) regelt die Entschädigung von Opfern von Verkehrsunfällen. Im Falle eines seitlichen Zusammenstoßes bleibt die Unterscheidung zwischen Fahrer und Nichtfahrer entscheidend.

Der Nichtfahrer (Passagier, Fußgänger, Radfahrer) hat Anspruch auf eine nahezu automatische Entschädigung seiner Personenschäden, es sei denn, er hat grob fahrlässig gehandelt und dies war die ausschließliche Ursache des Unfalls. Für den Fahrer ist die Situation anders: Sein eigenes Verschulden kann sein Recht auf Entschädigung verringern oder ausschließen.
Bei einem seitlichen Zusammenstoß an einer Kreuzung wird das Verschulden des Fahrers im Hinblick auf die Vorfahrtsregeln der Straßenverkehrsordnung bewertet. Artikel R. 415-5 verlangt, dass man den Fahrzeugen von rechts Vorrang gewährt, es sei denn, es gibt gegenteilige Beschilderung. Doch die Realität eines seitlichen Zusammenstoßes übersteigt oft dieses einfache Schema.
Der Fall des Fahrstreifenwechsels und des Überholvorgangs
Ein seitlicher Zusammenstoß, der beim Wechseln der Fahrspur auftritt, zieht die Verantwortung des Fahrzeugs nach sich, das das Manöver durchführt. Der Fahrer, der die Spur wechselt, muss sicherstellen, dass die Spur frei ist und seine Absicht signalisieren (Artikel R. 412-10 der Straßenverkehrsordnung).
Beim Überholen trägt das überholende Fahrzeug die Beweislast, dass es die seitlichen Sicherheitsabstände eingehalten hat. Wir empfehlen, den Unfallbericht auszufüllen, indem man die Kästchen genau ankreuzt, die den durchgeführten Manövern entsprechen, da die angekreuzten Kästchen im Bericht ein schwer zu bestreitendes Eingeständnis darstellen.
Unfallbericht und seitlicher Zusammenstoß: Die kostspieligen Fehler
Der Unfallbericht ist keine bloße administrative Formalität. Im Falle eines seitlichen Zusammenstoßes bestimmen die angekreuzten Kästchen in der Spalte der Umstände direkt die Verantwortungsverteilung, die von den Versicherern angenommen wird.
Mehrere Fehler treten immer wieder auf:
- Das Kästchen “wechselte die Spur” ankreuzen, während das Fahrzeug geradeaus in seiner Spur fuhr, unter dem Druck des anderen Fahrers am Unfallort
- Es versäumen, den genauen Aufprallpunkt im Skizze zu zeichnen, was dem Versicherer erlaubt, die Dynamik der Kollision frei zu interpretieren
- Die Anwesenheit von Zeugen oder Überwachungskameras in der Nähe nicht zu erwähnen, obwohl diese Elemente die Verteilung der Schuld umkehren können
- Ein von der anderen Partei ausgefülltes, doppelseitiges Protokoll zu unterschreiben, ohne jede Angabe zu überprüfen, was die Akzeptanz der beschriebenen Umstände bedeutet
Ein unterzeichneter Bericht bindet seinen Verfasser. Jede Änderung nach der Unterschrift erfordert ein Einschreiben, das innerhalb von fünf Tagen an den Versicherer gesendet wird, begleitet von Beweismitteln (Fotos, Zeugenaussagen, Dashcam-Video).
Geteilte Verantwortung bei seitlichem Zusammenstoß: Wie funktioniert die Schuldverteilung

Im Gegensatz zum Auffahrunfall, bei dem das auffahrende Fahrzeug als verantwortlich gilt, führt der seitliche Zusammenstoß häufig zu einer 50/50-Verantwortungsteilung. Diese Teilung tritt ein, wenn keiner der beiden Fahrer das ausschließliche Verschulden des anderen nachweisen kann.
Die 50/50-Teilung hat direkte Auswirkungen auf die Entschädigung. Jeder Fahrer erhält nur die Hälfte seiner Sachschäden. In Bezug auf den Bonus-Malus führt eine Verantwortungsverteilung zur Anwendung eines reduzierten Erhöhungskoeffizienten im Vergleich zu einer vollständigen Verantwortung, hat jedoch dennoch Auswirkungen auf den Vertrag.
Eine Verantwortungsverteilung anfechten
Die Anfechtung erfolgt zunächst durch einen Antrag bei seinem eigenen Versicherer, indem neue Elemente vorgelegt werden. Im Falle eines Misserfolgs stellt die Einreichung beim Versicherungsombudsmann einen Schritt dar, der jeder gerichtlichen Maßnahme vorausgeht.
Dashcams (eingebaute Kameras) stellen ein zunehmend akzeptiertes Beweismittel vor Gericht dar. Ihre Zulässigkeit ist nicht in allen Fällen garantiert, aber eine Videoaufnahme, die die Dynamik des seitlichen Zusammenstoßes klar zeigt, kann ausreichen, um eine 50/50-Verantwortung in eine vollständige Verantwortung des anderen Fahrers umzuwandeln.
Die Entwicklung des Fahrzeugbestands hin zu Fahrzeugen, die mit Sensoren und Recordern ausgestattet sind, verändert schrittweise die Beweislast in Streitigkeiten im Zusammenhang mit seitlichen Zusammenstößen. Die ADAS- und EDR-Daten stellen faktische Elemente dar, die weder im ursprünglichen Unfallbericht noch in der IRSA-Tabelle vorgesehen waren, und sowohl Versicherer als auch Gerichte müssen ihre Analyse-Raster an diese neue technische Realität anpassen.